Bildwiederholrate der LED-Wand: Warum das Bild auf der Kamera streift und wie viel Hz nötig sind
Wenn die LED-Wand live perfekt aussieht, im Video aber Streifen zeigt oder flimmert, ist fast sicher die Bildwiederholrate schuld. Wir zeigen, wie viel Hz für Kamera-Events und Streams nötig sind und was Sie bei der Angebotsanfrage abfragen sollten.

Im Herbst beginnt die Konferenz- und Veranstaltungssaison, und jedes Jahr wiederholt sich dieselbe Szene: Die LED-Wand sieht live wunderschön aus, auf dem Video von der Bühne laufen jedoch dunkle Streifen darüber, oder die ganze Fläche flimmert schlicht. Der Fehler liegt fast nie an der Kamera und auch nicht am Inhalt, sondern an einem technischen Parameter, den die meisten Angebote nicht einmal erwähnen: der Bildwiederholrate. Wenn vor Ihrer Wand aufgezeichnet, live übertragen oder auch nur Content für soziale Medien gedreht wird, ist diese Zahl genauso wichtig wie der Pixelpitch.
Was ist die Bildwiederholrate, und was bedeutet Hertz bei der LED-Wand?
Die Bildwiederholrate gibt an, wie oft pro Sekunde die Steuerung das gesamte Bild auf dem Panel neu zeichnet. LEDs leuchten nämlich nicht durchgehend: Sie schalten sich sehr schnell ein und aus, und Ihr Auge mittelt dieses Flimmern zu kontinuierlichem Licht. Eine einfache Indoor-Anzeigetafel arbeitet mit 960 Hz, eine moderne LED-Videowand mit 3.840 oder 7.680 Hz. Verwechseln Sie das nicht mit der Bildfrequenz des Inhalts: Das sind die 25 oder 50 fps des Videos, die Bildwiederholrate ist um Größenordnungen schneller und völlig unabhängig davon, welches Material Sie abspielen.
Warum streift die LED-Wand auf der Kamera?
Die Kamera sammelt das Licht nicht durchgehend, sondern bildweise, bei kurz geöffnetem Verschluss. Ist der Auffrischzyklus der Wand langsamer als die Verschlusszeit der Kamera, sieht der Sensor im einen Moment leuchtende, im nächsten gerade dunkle LEDs. Daraus entstehen die charakteristischen waagerechten Streifen oder die Rolling-Shutter-Welle. Je höher die Bildwiederholrate, desto mehr vollständige Zyklen passen in eine einzige Verschlussöffnung und desto gleichmäßiger wird das aufgezeichnete Bild. Unter 1.920 Hz sehen Sie den Fehler auf der Aufnahme so gut wie sicher, oberhalb von 3.840 Hz verschwindet er bei den meisten Kameraeinstellungen.
Wie viel Hertz braucht es wirklich? Realistische Schwellen
Richtet sich die Wand nur an Betrachter – im Laden, im Wartebereich oder im Schaufenster –, genügen 1.920 Hz vollkommen, ein Flimmern nimmt das Auge hier nicht mehr wahr. Setzen Sie sie auf Veranstaltungen ein, wo das Publikum mit dem Telefon filmt oder der Veranstalter ein Aftermovie produziert, sind 3.840 Hz die sinnvolle Basis. Für Live-Übertragung, Fernsehaufnahme, Studiohintergrund oder virtuelle Produktion sind 7.680 Hz die sichere Wahl, denn dort wird mit kurzer Verschlusszeit und hoher Bildfrequenz gearbeitet. Dieser Unterschied hängt üblicherweise am Treiber-IC und an der Sendekarte, nicht am LED-Chip – in der Fertigung ist er deshalb sehr viel günstiger zu lösen als nachträglich.
Die Scanrate, die niemand erklärt
Neben der Bildwiederholrate steht in der Spezifikation häufig auch die Scanrate: 1/8, 1/16 oder statische Ansteuerung. Sie sagt aus, wie viele LED-Zeilen das Panel gleichzeitig ansteuert. Ein 1/16 scan zündet immer ein Sechzehntel der Zeilen, in schnellem Umlauf. Je größer der Nenner, desto günstiger das Panel, aber desto geringer die tatsächliche Helligkeit und desto empfindlicher die Reaktion auf die Kamera. Bei Outdoor-Wänden mit hoher Helligkeit sind 1/4 scan oder statische Ansteuerung verbreitet, bei feinem Indoor-Pixelpitch sind 1/16 oder 1/32 typisch, kompensiert durch eine hohe Bildwiederholrate.
Graustufen und niedrige Helligkeit: Hier scheitern viele Panels
Die Bildwiederholrate allein verrät nicht die ganze Wahrheit. Die LED regelt ihre Helligkeit über Pulsweitenmodulation, also über unterschiedlich lange Lichtblitze. Senken Sie die Helligkeit der Wand etwa auf 20 Prozent, weil Sie im Studio oder in einem abgedunkelten Saal arbeiten, verliert eine schwache Steuerung die Graustufen: Die dunklen Bereiche posterisieren, das Bild wird stufig. Fragen Sie deshalb auch nach der Bittiefe der Graustufen, ideal sind 14 bis 16 Bit. Die gute Kombination behält Details und hohe Bildwiederholrate auch bei niedriger Helligkeit bei und tauscht nicht das eine gegen das andere.
Kameraeinstellungen, mit denen Sie das Bild selbst verbessern
Steht die Wand bereits, können Sie auch auf der Kameraseite viel tun. Verwenden Sie eine Verschlusszeit, die ein ganzzahliges Vielfaches des Auffrischzyklus ist; in der Praxis sind 1/50 oder 1/100 Sekunde im europäischen Umfeld ein sicherer Ausgangspunkt. Vermeiden Sie sehr kurze Verschlusszeiten unter 1/500, denn die erzwingen Streifen geradezu. Unterstützt Ihre Kamera es, können Sie die Verschlusszeit mit der Synchro- oder Clear-Scan-Funktion feinjustieren, bis die Streifen verschwinden. Es hilft ebenfalls, die Helligkeit der Wand nicht auf Maximum zu drehen und den Weißabgleich der Kamera auf die Wand zu kalibrieren, nicht auf das Saallicht.
So prüfen Sie vor dem Kauf und bei der Abnahme
Für den einfachsten Test genügt Ihr Telefon: Stellen Sie sich vor das Musterpanel, starten Sie ein Video und schwenken Sie die Kamera langsam waagerecht. Laufen Streifen durch das Bild oder flimmert die Fläche, ist die Bildwiederholrate niedrig. Wiederholen Sie den Test auch bei reduzierter Helligkeit von 20 bis 30 Prozent, denn viele Panels zeigen ihre Schwäche erst dort. Lassen Sie sich bei der Abnahme den Einstellungsbildschirm der Steuersoftware zeigen, auf dem die tatsächliche Bildwiederholrate und der Scan-Wert stehen – akzeptieren Sie nicht nur die Katalogangabe. Ein korrekter Lieferant zeigt und justiert das jederzeit.
Was gehört in die Angebotsanfrage?
Vier Zeilen genügen, um vergleichbare Angebote zu bekommen. Schreiben Sie hinein, ob vor der Wand Videoaufnahmen oder Live-Übertragungen entstehen, geben Sie die erwartete Bildwiederholrate in Hertz an, verlangen Sie die Angabe von Scanrate und Graustufen-Bittiefe gesondert und fordern Sie, dass diese Werte auch ins Abnahmeprotokoll aufgenommen werden. Diese wenigen Sätze filtern schon vorab jene Konstruktionen heraus, die auf dem Papier günstiger sind, bei der ersten Veranstaltung mit Kamera aber unbrauchbares Material liefern. Der Preisunterschied beträgt üblicherweise wenige Prozent des Gesamtprojekts – der Unterschied im Video ist dagegen sofort sichtbar.
Ein paar Fragen, und Sie erhalten den empfohlenen Pixelpitch, das Maß und den Richtpreis.
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