Betrachtungswinkel der LED-Wand: Warum es nicht gleichgültig ist, von wo Ihr Display gesehen wird
Der Betrachtungswinkel ist der Winkel, innerhalb dessen die LED-Wand noch die Hälfte ihrer Nennhelligkeit liefert. Wählen Sie ihn falsch, wirkt Ihr Bild vom Rand des Gehwegs oder von den seitlichen Tischen aus blass und farblich verschoben.

Bei der Auswahl einer LED-Wand sehen sich fast alle zuerst Pixelpitch und Helligkeit an und überfliegen den Betrachtungswinkel im Datenblatt. Dabei entscheidet diese Zahl darüber, was der Betrachter von der anderen Straßenseite, vom Ecktisch des Restaurants oder vom Rand des Veranstaltungszelts tatsächlich sieht. Auch eine technisch einwandfreie Outdoor-Wand mit 5.000 Nit wirkt blass, gräulich und farblich verschoben, wenn ein großer Teil der Betrachter schräg und von der Seite darauf blickt. Die gute Nachricht: Das ist eine Planungsfrage und kein Schicksalsschlag – aus der Geometrie des Standorts lässt sich vorab berechnen, welcher Betrachtungswinkel des Moduls nötig ist und in welchem Neigungswinkel es montiert werden sollte.
Was bedeutet der Betrachtungswinkel bei einer LED-Wand genau?
Der Betrachtungswinkel sagt nicht, von wo aus das Display überhaupt zu sehen ist, sondern bis wohin das Bild brauchbar bleibt. Nach der fachlichen Definition ist der Betrachtungswinkel der gesamte Winkelbereich, innerhalb dessen die Helligkeit der Wand noch die Hälfte des senkrecht, also genau frontal gemessenen Werts erreicht. Deshalb heißt er auch Halbwertswinkel. Stehen im Datenblatt eines Moduls 140 Grad, bedeutet das, dass links und rechts von der Mittelachse bis jeweils 70 Grad die 50 Prozent erhalten bleiben. Darüber hinaus verschwindet das Bild nicht, doch die Helligkeit stürzt steil ab, und auch die Farben verschieben sich.
Waagerechter und senkrechter Betrachtungswinkel: Warum sie nicht symmetrisch sind
In den Datenblättern stehen zwei Zahlen, etwa 140 Grad zu 140 Grad oder 160 Grad zu 90 Grad. Die erste ist der waagerechte, die zweite der senkrechte Wert. Die beiden können abweichen, weil die Form der Linse über dem LED-Chip absichtlich asymmetrisch sein kann: Wird das Licht waagerecht breiter und senkrecht enger verteilt, sehen die am Gehweg Vorbeigehenden die Wand gut, während nicht unnötig zum Himmel und zum Asphalt hin geleuchtet wird. Bei einer Lichtwerbung an der Straße ist das eine bewusste, nützliche Entscheidung. In einer großen Eingangshalle oder vor einer Tribüne ist dagegen genau umgekehrt zu denken, denn dort ist auch die senkrechte Blickrichtung weit.
Was welcher LED-Typ kann: SMD, COB und das alte DIP
Die heute gelieferten Indoor- und Outdoor-SMD-Module liefern typischerweise 140 Grad waagerechten und 140 Grad senkrechten Betrachtungswinkel, was den Bedarf der meisten Geschäfte, Büros und Veranstaltungsorte abdeckt. Die COB-Ausführung, bei der eine gemeinsame Schutzschicht die Chips bedeckt, erreicht häufig auch 160 bis 175 Grad, weil keine hervorstehende Bauform im Lichtweg sitzt. Die alten, im Außenbereich noch vielerorts sichtbaren DIP-Module können dagegen waagerecht oft nur 100 bis 120 Grad: Sie strahlen frontal, verdunkeln sich von der Seite aber sichtbar. Beim Kauf einer gebrauchten Wand ist das eine der wichtigsten zu prüfenden Angaben.
Wie Sie den Betrachtungswinkelbedarf Ihres eigenen Standorts ermitteln
Dafür braucht es kein Messgerät, ein entschlossener Gang genügt. Stellen Sie sich dorthin, wo die künftige Wand stehen wird, und markieren Sie die beiden äußersten Punkte, von denen die Mehrheit Ihrer Betrachter sie tatsächlich sehen wird: die beiden Enden des Gehwegs, die beiden Ecken des Raums, die äußersten Stühle des Zelts. Messen Sie dann den Winkel zu diesen Punkten gegen die Senkrechte zur Wandebene. Bleibt der größere Wert unter 50 Grad, ist jedes heutige SMD-Modul geeignet. Liegt er zwischen 50 und 70 Grad, verlangen Sie eine Ausführung mit weitem Betrachtungswinkel. Geht er über 70 Grad, genügt die Modulwahl allein nicht mehr, dann muss die Wand gedreht oder geneigt werden.
Experten-Tipp: Betrachtungswinkel und Helligkeit sind gemeinsam zu betrachten
Betrachtungswinkel und Helligkeit sind zwei Hälften derselben Frage und stehen im Angebot dennoch auf getrennten Zeilen. Nehmen wir eine Outdoor-Wand mit 5.000 Nit, die auf dem Papier in Ordnung ist: Am Rand des Betrachtungswinkels, also um 70 Grad herum, bleiben davon nur noch 2.500 Nit. In der Mittagssonne, wenn direktes Licht auf die Fassade fällt, wird dieses Bild verwaschen und kontrastlos. Deshalb empfehlen wir, bei einer stark von der Seite betrachteten Außenfläche nicht das fachliche Minimum zu wählen, sondern das obere Band unseres eigenen Outdoor-Modulangebots, die Spanne von 5.000 bis 8.000 Nit, ergänzt um eine automatische Helligkeitsregelung.
Farbverschiebung: die verborgene Hälfte des Betrachtungswinkels
Der Rückgang der Helligkeit ist messbar und auffällig, doch es gibt ein hinterhältigeres Phänomen. Bei schräger Blickrichtung fällt das Licht der roten, grünen und blauen Chips nicht gleichmäßig ab, weshalb weiße Flächen von der Seite betrachtet ins kalte Blau oder ins warme Gelb rutschen können. Am störendsten ist das, wenn Sie ein Logo, eine Markenfarbe oder eine Produktaufnahme abspielen, denn der Betrachter wird genau den Farbton als falsch empfinden. Hochwertige Module verringern das durch werkseitige Chipselektion und punktweise Kalibrierung. Ist die Treue der Markenfarbe kritisch, sagen Sie das schon bei der Angebotsanfrage, denn es beeinflusst die Modulwahl.
Typische Fehler, an denen auch ein guter Betrachtungswinkel verloren geht
Der häufigste Fehler ist die zu hohe Montage. Kommt die Unterkante der Wand über vier Meter, betrachtet der unmittelbar darunter Vorbeigehende das Display praktisch am Rand des senkrechten Betrachtungswinkels und sieht davon nichts richtig. Die Lösung ist nicht mehr Helligkeit, sondern eine Vorneigung von 5 bis 15 Grad an der Unterkonstruktion. Der zweite Fehler ist, die Wand genau parallel zum Gehweg zu setzen, wo sich alle in der Längsrichtung nähern: Dann bringt eine Drehung um wenige Grad mehr als ein teureres Modul. Und der dritte ist, wenn sich die Spiegelung der Schutz- oder Schaufensterscheibe zum Winkelverlust hinzugesellt.
Wann Sie absichtlich einen engeren Betrachtungswinkel wählen sollten
Nicht immer ist der breitere besser. Die Lichtmenge ist gegeben: Lenken Sie dieselbe Lichtmenge in einen engeren Winkel, erhalten Sie frontal bei gleicher Leistungsaufnahme mehr Helligkeit. In einem langen, schmalen Flur, in einem Tunnel oder an einer Fassade, an der sich die Betrachter nur frontal nähern, ist die Optik mit engerem Betrachtungswinkel wirtschaftlicher: Sie liefert aus geringerem Verbrauch ein strahlendes Bild und verursacht weniger Lichtverschmutzung in Richtung der benachbarten Fenster. Diese Überlegung kann im Außenbereich im Nachtbetrieb in der Nähe eines Wohngebiets sogar ein ausgesprochen nützliches Argument sein.
Zusammenfassung: drei Zahlen, die Sie im Angebot verlangen sollten
Wenn Sie eine einzige Sache aus diesem Beitrag mitnehmen, dann diese drei Angaben: den waagerechten Betrachtungswinkel, den senkrechten Betrachtungswinkel und die senkrecht gemessene Spitzenhelligkeit. Die drei zusammen sagen, was Ihr Betrachter von dort sehen wird, wo er tatsächlich steht. Messen Sie die äußersten Blickpunkte des Standorts aus, entscheiden Sie, ob Ihr Publikum frontal oder von der Seite kommt, und wählen Sie danach Modul und Neigungswinkel. In unserem Konfigurator können Sie die Maße durchspielen, und bei der Angebotsanfrage schreiben Sie ruhig auch die Geometrie des Standorts mit auf, denn daraus können wir einen genaueren Vorschlag machen als allein aus den gewünschten Quadratmetern.
Ein paar Fragen, und Sie erhalten den empfohlenen Pixelpitch, das Maß und den Richtpreis.
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